Bald zehn Jahre Miteinander – die Püttlinger Kleiderkammer ist ein Erfolgsmodell

Fakten:                                                                                                                 

Die Püttlinger Kleiderkammer befindet sich in den Räumen des ehemaligen Blumenhauses Strauss in der Marktstraße 26 und ist dienstags von 9 bis 11.30 Uhr geöffnet. 

Die Leiterin, Frau Mandy Benashvili, ist unter der Rufnummer 0176-8438542 erreichbar. 

 

An Feiertagen bleibt geschlossen, in den Ferien gelten andere Öffnungszeiten und können telefonisch erfragt werden.

 

Eingegangene Sachspenden werden durchgesehen und, falls nötig, repariert und gewaschen. Danach werden diese Dinge für kleine Geldbeträge weitergegeben. 

 

Die Einnahmen aus der Kleiderkammer fließen in die Projekte des Vereins.

 

Um die Arbeit der Ehrenamtler*innen zu erleichtern, ist es erforderlich:

  • Nur gut erhaltene, saubere Dinge zu spenden

  • Spenden nur zu den Öffnungszeiten oder nach telefonischer Vereinbarung abzugeben, aber keinesfalls vor den Räumlichkeiten abzustellen.

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Wer hätte gedacht, dass die Püttlinger Kleiderkammer, die anfangs in den ehemaligen Sozialräumen der Stadtgärtnerei untergebracht war und dazu dienen sollte, die 2015 aus der Landesaufnahmestelle Lebach zugezogenen Familien bei der Erstversorgung mit dem Nötigsten zu unterstützen, zu einem festen Bestandteil des öffentlichen Lebens werden und nicht mehr wegzudenken sein würde? Nun gibt es sie schon seit über neun Jahren.

 

Der Püttlinger Integrationskreis e.V. übernahm die durch die Stadtverwaltung übertragene Aufgabe, eine Kleiderkammer aufzubauen, gerne und stürzte sich mit Eifer und Begeisterung in die Arbeit. Mit wenigen finanziellen Mitteln, vor allem aber durch die Hilfe unzähliger Spender*innen konnten innerhalb kurzer Zeit die damaligen Räume hergerichtet und mit Regalen, Tischen, Kleiderständern und sogar einer Waschmaschine ausgestattet werden. Die Spendenbereitschaft in unserer Stadt war enorm und machte es möglich, dass der Verein seinen Gästen nicht nur Schuhe und Kleidung, sondern auch Hausrat, Möbel, Decken, Teppiche, Gardinen, Spielsachen – also vieles, was der Mensch braucht, um sich ein Zuhause wohnlich einzurichten, anbieten konnte.

 

Dabei legte der Integrationskreis immer großen Wert darauf und hielt dies auch in seiner Satzung fest, dass das Angebot der Kleiderkammer allen Bedürftigen unserer Stadt offenstehen sollte.

 

Anfangs eher noch ein Geheimtipp, sprach sich die Existenz der Kleiderkammer aber schnell herum und sie wurde schon nach kurzer Zeit sehr gut angenommen.

In diesem Projekt arbeiteten von Beginn an ausschließlich ehrenamtliche Kräfte, darunter zahlreiche Menschen, die ihren Weg aus anderen Ländern nach Püttlingen gefunden hatten. Spender*innen, die eigentlich nur aussortierte, gut erhaltene Dinge hatten abgeben wollen, verweilten etwas länger, kamen ins Gespräch mit Bedürftigen und Helfer*innen, wurden selbst Helfer*in oder übernahmen Patenschaften für Familien, die Unterstützung bei Behördengängen, Arztbesuchen, bei Gesprächen mit Kindergarten und Schule oder beim Beantworten offizieller Schreiben benötigten. 

 

Sehr bald war aus der Kleiderkammer ein Ort der Begegnung, des Gespräches, des gelebten Miteinanders geworden. Und dieses Element konnte der Verein im Winter 2016/2017 in die neuen Räumlichkeiten im Herzen der Stadt mitnehmen. 

 

Die „neue“ Kleiderkammer erhielt auch einen neuen Namen: „Kleider und mehr“. Und der Name ist bezeichnend. Es werden nicht nur für kleines Geld Schuhe, Kleidung, Dekoartikel, Spielsachen, Hausrat, Haushaltsgeräte, Taschen und Koffer, Decken, Badtextilien, Vorhänge etc. angeboten. Nein, die Kleiderkammer bietet mehr. Hier begegnet man sich, tauscht sich aus, lernt neue Menschen kennen, schließt Freundschaften. 

 

Von Anfang an lebte die Kleiderkammer durch die Unterstützung von Spender*innen und Ehrenamtler*innen. Viele der syrischen Ehrenamtler*innen, die zu Beginn dabei waren, haben sich erfolgreich in ihrer neuen Heimat eingelebt – haben einen Arbeitsplatz gefunden oder eine Ausbildung begonnen, eine Familie gegründet und ihren Weg gemacht. Neue Ehrenamtler*innen haben ihren Platz eingenommen und sind ebenfalls mit Herzblut und Feuereifer dabei. Viele Spender*innen kommen seit Jahren immer wieder und geben Dinge, die sie nicht mehr benötigen, die aber für andere Menschen nützlich sein können, an das Projekt weiter.

 

In der Kleiderkammer begegnen sich Menschen aus aller Welt. Deutschland, Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Polen, Russland, Italien, Spanien, Ägypten, Südafrika, Ukraine, Rumänien sind einige der Länder, aus denen Mitarbeiter*innen und Besucher*innen der Kleiderkammer stammen. Und trotz mancher sprachlicher Barrieren versteht man sich – mit Neugier, Offenheit und Humor können vielerlei Unklarheiten beseitigt, Probleme gelöst und Freundschaften begonnen werden.

 

Der Verein hatte mit seiner Kleiderkammer stets im Sinn, dort zu helfen, wo Hilfe dringend benötigt wird.

 

Und so setzt sich die Kleiderkammer nicht nur für Bedürftige vor Ort ein, sondern wurde und wird immer wieder auch über die Püttlinger Stadtgrenze hinaus aktiv, wenn es darum geht, Hilfesuchende zu unterstützen. So organisierte der Verein beispielsweise den Transport dringend benötigter Dinge nach Berlin zu Moabit hilft e.V. und sendete mehrere Paletten Kleidung, Schuhe, Handtücher und Decken in die Hauptstadt. Mehrfach schon konnte die Kleiderkammer Betroffene von Wohnungsbränden mit dem Nötigsten versorgen. Es gab Hilfsleistungen für Organisationen der Obdachlosenhilfe, für andere Kleiderkammern und Vereine in der Flüchtlingshilfe. Zuletzt spendete die Kleiderkammer an die Betroffenen der Überflutungen in der Eifel sowie an Betroffene im türkischen Erdbebengebiet und wird weiterhin dort tätig, wo Not am Mann ist.

 

Und wo gearbeitet wird, da wird auch gefeiert. Nach dem wunderschönen Fest mit Musik und Tanz im März 2017 zur Eröffnung der neuen Räume konnte der Verein zuletzt die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Frau Monika Bachmann, als Gast begrüßen. Diese zeigte sich begeistert vom Einsatz der Ehrenamtler*innen und der freundlichen, gemütlichen Atmosphäre der Kleiderkammer.

 

Die Freude an der Arbeit, die Überzeugung vom Sinn des Projektes und die Unterstützung durch die Bevölkerung für die Kleiderkammer sind ungebrochen – so steht weiteren Jahren sinnvoller Arbeit nichts im Wege.